7 - Ersatzpflicht für Elektroheizungen und Elektroboiler

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Elektroheizungen und Elektroboiler machen knapp 10 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Schweiz aus. Eine entsprechende Ersatzpflicht könnte diesen Verbrauch um rund zwei Drittel reduzieren.

Massnahme

Die Kantone sind gemäss Musterenergievorschriften der Kantone (MuKEn 2008) verpflichtet, die Neuinstallation und den Ersatz von Elektroheizungen und den Neueinbau einer rein elektrischen Wassererwärmung zu verbieten.
Um das grosse Stromsparpotenzial bei Elektroheizungen und Elektroboilern möglichst rasch und vollständig auszuschöpfen, können die Kantone die Gebäudebesitzer zum vorzeitigen Ersatz dieser Anlagen verpflichten.

Ausgestaltung und Umsetzung

Die Ersatzpflicht von Elektroheizungen und Elektroboilern kann von den Kantonen im Rahmen ihrer Energiegesetze eingeführt werden. Zur Harmonisierung und möglichst flächendeckenden Umsetzung der Vorschriften ist eine Verankerung der Ersatzpflicht in den MuKEn anzustreben.
Bei den Elektroheizungen (ortsfeste elektrische Widerstandsheizungen) sollte die Ersatzpflicht auf Zentralspeicher- und Einzelspeicherheizungen beschränkt werden, die älter als 20 Jahre sind. Zentralspeicherheizungen sollten innerhalb von 5 Jahren, Einzelspeicherheizungen innerhalb von 10 Jahren ersetzt werden.
Für die Ersatzpflicht von Anlagen zur rein direkt-elektrischen Wassererwärmung (Elektroboiler) sind Fristen von 5 Jahren denkbar. Das Warmwasser soll neu zu mindestens 50 Prozent mit erneuerbarer Energie (wie Sonnenenergie, Erdwärme, Fernwärme, Holzenergie) oder mit nicht anders nutzbarer Abwärme erwärmt werden. Falls dies technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar ist, sind Ausnahmebewilligungen möglich.

Auswirkungen

Die Ersatzpflicht führt zu einer Reduktion des Stromverbrauchs und fördert die Nutzung von erneuerbaren Energien (v.a. Wärmepumpen, Holzenergie und Sonnenkollektoren). Das Stromsparpotenzial beträgt bei den Elektroheizungen 70 Prozent, bei den Elektroboilern 50 Prozent. Eine vollständige Umsetzung der Ersatzpflicht würde den Stromverbrauch der Haushalte um rund 3.4 TWh reduzieren (knapp 6% des schweizerischen Energieverbrauchs).
Die energetische Wirkung ist umso höher, je kürzer die Übergangsfristen sind und je mehr flankierende Massnahmen (z.B. Förderprogramme) umgesetzt werden.
Der vorzeitige Ersatz von Elektroheizungen und Elektroboilern führt zu zusätzlicher regionaler Wertschöpfung und Beschäftigung bei den involvierten Branchen (u.a. Baugewerbe, Beratung und Planung, Anlagenbau).

Kombination mit anderen Massnahmen

Da Gebäude mit Elektroheizungen in der Regel älter sind, besteht bei diesen Gebäuden ein erhebliches energetisches Sanierungspotenzial. Aus diesem Grund sollte der Ersatz des Heizungssystems mit der Prüfung von Gebäudesanierungsmassnahmen gekoppelt werden. Durch Vorgaben gilt es insbesondere zu vermeiden, dass Elektroheizungen in unsanierten Gebäuden durch Luft-/Wasser-Wärmepumpen ersetzt werden. Förderprogramme von Kantonen und Gemeinden stellen einen wichtigen Anreiz dar, die Sanierungspotenziale auszuschöpfen.
Um unerwünschte Substitutionseffekte (z.B. durch Ölheizungen) zu verhindern, sollte die Ersatzpflicht möglichst mit der finanziellen Förderung von erneuerbaren Energien (v.a. Wärmepumpen, Holzheizungen und Sonnenkollektoren) kombiniert werden.
Wichtige flankierende Massnahmen sind Informations- und Beratungsangebote für Gebäudeeigentümer (insbesondere Vorgehensberatung) sowie Finanzierungshilfen.

Umsetzungsebenen: 
Kantone
Schlüsselwörter: 
Widerstandsheizung