Wozu Energiewende? Nützliches Hintergrundwissen

Wer sich für die Energiewende einsetzt, wird häufig mit Gegenargumenten oder Fragen konfrontiert. Im folgenden finden Sie hilfreiche Informationen für Diskussionen rund um die Energiewende.

Die Energiewende ist das Gebot der Stunde, sie ist machbar und sie hat längst begonnen

Die Energiewende schützt unsere Lebensgrundlagen. Die drohende Klimaerwärmung und die Gefahren der Atomkraft lassen uns keine Alternativen zum Umstieg auf Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. Atomrisiken werden endlich beendet und die Klimaerwärmung mit substantiellen nationalen Beiträgen eingedämmt. Gleichzeitig ist es möglich, die Energiewende so naturverträglich zu gestalten, dass Schutzgebiete und gefährdete Pflanzen und Tiere nicht zusätzlich bedroht werden.
Dabei ist die Energiewende längst im Gange: Es wird keine neuen Atomkraftwerke geben, der Ausbau der Photovoltaik sprengt Jahr für Jahr die Ziele des Bundesrats und der Energieverbrauch sinkt längst. Nur das allein reicht noch nicht. Zusätzliche Instrumente und Initiativen aus den Gemeinden, Regionen und Kantonen sind erforderlich, damit die Energiewende weiter an Leben gewinnt. Diese politischen Massnahmen für die Förderung von erneuerbaren Energien und die Reduktion des Stromverbrauchs machen ökologisch sehr viel Sinn. Aber lohnen sie sich auch ökonomisch? Die folgenden Absätze zeigen: Die Schweizer Volkswirtschaft und die Gemeinden und Kantone profitieren von einer nachhaltigen Strompolitik:

Erneuerbare Energien – bei Vollkostenrechnung schon heute konkurrenzfähig

Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien sind auf den ersten Blick nur deshalb so teuer und müssen heute noch speziell mit politischen Massnahmen gefördert werden, weil bei Anlagen zur erneuerbaren Stromerzeugung die gesamten Investitionen vor dem eigentlichen Betriebsstart erfolgen müssen: Für den Bau einer Photovoltaik-Anlage müssen beispielsweise Kosten für die Solarmodule, die zugehörige Technik wie Wechselrichter sowie die Installation der Anlage aufgebracht werden, bevor überhaupt eine Kilowattstunde Solarstrom produziert ist. Was man aber nicht vergessen darf: Bei Sonne und Wind ist im Kaufpreis der Brenn- und Betriebsstoff für die gesamte Betriebszeit inklusive, weil dieser von der Natur kostenlos geliefert wird. Bei der Stromerzeugung aus nicht erneuerbaren Energien ist das ganz anders: Diese funktioniert nur, wenn nach dem Betriebsstart kontinuierlich Brennstoffe (wie Kohle oder Uran) zugeführt werden, für die regelmässig hohe Kosten anfallen. Würde man bei den nicht-erneuerbaren Energien sämtliche Kosten einrechnen, welche heute auf die Gesellschaft übertragen werden (bspw. die externen Effekte in Form von Umweltemissionen und die nicht versicherten Risiken), wären die erneuerbaren Energien schon heute konkurrenzfähig.

Hinzu kommt, dass die Gestehungskosten für erneuerbaren Strom kontinuierlich weiter sinken und erneuerbaren Strom weiter verbilligen – dank rasanter technischer Entwicklung und Massenproduktion. So erwartet das Beratungsbüro Infras auch für die Zukunft bei den meisten erneuerbaren Energietechnologien eine starke Reduktion der Stromgestehungskosten.


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Effizienzmassnahmen rechnen sich – eingesparte Stromkosten sind höher als anfänglich getätigte Investitionen

Bei einem grossen Teil der Effizienzmassnahmen ist der "Return on Investment" positiv, die Erträge übertreffen also die ursprünglich getätigten Investitionen. Grund dafür: Effiziente Geräte und Motoren verursachen über die Lebenszeit gerechnet deutlich tiefere Betriebskosten als konventionelle Geräte. Damit können immense Stromkosten gesparte werden, die wiederum in die Produktivität anderer Sektoren gesteckt werden können und andere Wirtschaftszweige stärken.

Diese Tatsache lässt sich sehr gut an der Anschaffung eines neuen Kühlschranks veranschaulichen. Wie die folgende Grafik zeigt, fallen für einen sehr effizienten Kühlschrank über die Lebenszeit betrachtet insgesamt deutlich geringere Kosten an als für ein ineffizientes Modell – selbst wenn der Preis des effizienten Kühlschranks etwas höher liegt. Dadurch, dass dieser jedoch deutlich weniger Strom verbraucht und deswegen die Stromrechnung sinkt, rechnet sich die Anschaffung des effizienten Gerätes.


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Der Durchbruch neuer Effizienztechnologien und die Anpassung des Verbrauchsverhaltens geschieht aber nicht mit der notwendigen Geschwindigkeit und trifft immer wieder auf Hemmnisse. So können etwas höhere Investitionskosten für Effizienztechnologien dazu führen, dass viele Haushalte oder Unternehmen sich doch für ein ineffizientes Geräte oder eine ineffiziente Anlage entscheiden. Informationsdefizite (z.B. hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit von Effizienzmassnahmen über die Lebenszeit) können dieses Problem verstärken und zu Fehlurteilen führen. Hinzu kommt, dass der Strompreis in der Schweiz heute so niedrig ist, dass viele Haushalte und Unternehmen kein Interesse an effizienten Technologien haben, denn die Stromkosten spielen im Bewusstsein von Unternehmen und Haushalten oft keine Rolle. Und schliesslich ist auch die ungenügende Markttransparenz heute noch ein Hemmnis für viele Effizienztechnologien: Ein bedeutender Teil der Geräte weist noch keine klare, für den Kunden sichtbare energierelevante Kennzeichnung auf. Um diese Marktversagen zu korrigieren, sind politische Massnahmen, die der Effizienz zum Durchbruch verhelfen, von grosser Wichtigkeit. Förderprogramme für effiziente Geräte und Anlagen, Vorschriften für die Nutzung bestimmter Technologien in neuen oder bestehenden Gebäuden, Transparenzvorgaben oder Stromlenkungsabgaben sind hier sehr hilfreich.

Erneuerbare Energien und Effizienzmassnahmen beleben die Wirtschaft vor Ort – sie schaffen Wertschöpfung und Beschäftigung in der Region

Gemeinden und Kantone sind wichtige Treiber bei der Entwicklung hin zu einer effizienten und erneuerbaren Stromversorgung und können gleichzeitig auch von dieser Entwicklung profitieren. Denn im Regelfall werden durch die Umsetzung von Effizienztechnologien oder den Bau von erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen importierte Energierohstoffe oder importierter Strom durch heimische Energiequellen, Technologien und Dienstleistungen ersetzt. Dies kommt direkt den betreffenden Gemeinden und Regionen zu Gute: Handwerksbetriebe erhalten mehr Aufträge, wodurch der Umsatz und der Gewinn steigen. Höhere Steuer- und Pachteinnahmen für Gemeinden und Kantone und neu geschaffene Arbeitsplätze sind die Folge. Unternehmen und Gemeinden profitieren also gleichermassen von Effizienzmassnahmen und erneuerbarer Stromerzeugung vor Ort.


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